Ratgeber · Arbeitsmarkt & Statistik
Arbeitslosenquote nach Bundesländern 2026: Ranking und Gründe
Von 4,3 Prozent in Bayern bis 11,5 Prozent in Bremen: Die Arbeitslosenquote ist in Bremen mehr als zweieinhalbmal so hoch wie in Bayern. Unser Ranking mit Zahlen von August 2026 zeigt alle 16 Länder, die Entwicklung zum Vorjahr und erklärt, warum der Süden vorn liegt, die Stadtstaaten hinten und der Ost-West-Abstand kleiner geworden ist.
Von Redaktion arbeitslosenzahlen.de Veröffentlicht: Lesezeit: 9 Min.
Inhalt
- Das Ranking: Arbeitslosenquote aller Bundesländer im August 2026
- Das Nord-Süd-Gefälle
- Warum die Stadtstaaten hinten liegen
- Versicherung oder Grundsicherung: die Rechtskreise im Ländervergleich
- Das Ost-West-Gefälle ist kleiner geworden
- Große Unterschiede auch innerhalb der Länder
- Was die Quote über Jobchancen aussagt – und was nicht
- Fazit
- Häufige Fragen (FAQ)
- Quellen
Wer in Bayern seinen Job verliert, trifft auf einen ganz anderen Arbeitsmarkt als jemand in Bremen oder Berlin. Im August 2026 lag die Arbeitslosenquote in Bayern bei 4,3 Prozent, in Bremen bei 11,5 Prozent – im schwächsten Land ist die Quote damit mehr als zweieinhalbmal so hoch wie im besten. Dieses Ranking zeigt alle 16 Bundesländer mit den offiziellen Zahlen der Bundesagentur für Arbeit (BA), die Veränderung zum Vorjahr und die wichtigsten Gründe für die Unterschiede.
Das Ranking: Arbeitslosenquote aller Bundesländer im August 2026
Deutschlandweit waren im August 2026 genau 3.061.396 Menschen arbeitslos gemeldet, die Quote lag bei 6,5 Prozent. So verteilen sich die Werte auf die Länder, sortiert von der niedrigsten zur höchsten Quote:
| Rang | Bundesland | Arbeitslose | Quote Aug. 2026 | Quote Aug. 2025 |
|---|---|---|---|---|
| 1 | Bayern | 334.080 | 4,3 % | 4,2 % |
| 2 | Baden-Württemberg | 312.370 | 4,8 % | 4,7 % |
| 3 | Rheinland-Pfalz | 129.600 | 5,6 % | 5,6 % |
| 4 | Hessen | 214.840 | 6,0 % | 6,0 % |
| 4 | Schleswig-Holstein | 97.810 | 6,0 % | 5,9 % |
| 6 | Niedersachsen | 282.420 | 6,3 % | 6,2 % |
| 7 | Brandenburg | 88.630 | 6,5 % | 6,5 % |
| 8 | Thüringen | 71.790 | 6,6 % | 6,4 % |
| 9 | Sachsen | 157.130 | 7,3 % | 7,0 % |
| 10 | Saarland | 39.760 | 7,5 % | 7,6 % |
| 11 | Mecklenburg-Vorpommern | 64.200 | 7,8 % | 8,0 % |
| 12 | Nordrhein-Westfalen | 808.970 | 8,0 % | 8,0 % |
| 13 | Sachsen-Anhalt | 90.710 | 8,2 % | 8,0 % |
| 14 | Hamburg | 97.790 | 8,6 % | 8,5 % |
| 15 | Berlin | 227.960 | 10,6 % | 10,5 % |
| 16 | Bremen | 43.330 | 11,5 % | 11,8 % |
Quelle: Statistik der Bundesagentur für Arbeit; Arbeitslosenzahlen aus Gründen der Geheimhaltung auf Zehner gerundet. Bei gleicher Quote teilen sich Länder den Rang.
Was sich gegenüber dem Vorjahr verändert hat
In den meisten Ländern lag die Arbeitslosigkeit im August 2026 über dem Vorjahresniveau. Prozentual am stärksten stieg die Zahl der Arbeitslosen laut BA in Sachsen (+3,9 %), Baden-Württemberg (+2,3 %) und Bayern (+2,2 %). Sachsen verzeichnete mit +0,3 Prozentpunkten auch den größten Anstieg der Quote. Rückgänge gab es in Bremen (−2,5 %), Mecklenburg-Vorpommern (−2,3 %) und im Saarland (−1,2 %); Bremen verbesserte seine Quote um 0,3 Prozentpunkte.
Auffällig: Gerade die beiden Länder mit den niedrigsten Quoten legten beim Zuwachs der Arbeitslosigkeit überdurchschnittlich zu. Das passt zu einer Entwicklung, die die BA seit einiger Zeit beschreibt – die Schwäche der Industrie trifft besonders den exportstarken, industriell geprägten Süden.
Das Nord-Süd-Gefälle
Bayern und Baden-Württemberg belegen seit vielen Jahren die ersten beiden Plätze. Die Gründe sind strukturell:
- Industrie und Mittelstand in der Fläche: Viele gut bezahlte Industriearbeitsplätze liegen nicht nur in den Großstädten, sondern auch in ländlichen Kreisen. Das hält die Arbeitslosigkeit dort niedrig – die zehn Kreise mit den niedrigsten Quoten Deutschlands lagen im August 2026 durchweg in Bayern.
- Wenig verfestigte Arbeitslosigkeit: Der Anteil der Arbeitslosen in der Grundsicherung (Rechtskreis SGB II), also der Menschen ohne Anspruch auf Arbeitslosengeld, ist im Süden niedrig. In Bayern lag die SGB-II-Quote im August 2026 bei 1,9 Prozent, in Bremen bei 8,4 Prozent.
- Hohe Pendlerverflechtung: Wirtschaftsräume wie München, Stuttgart oder Nürnberg ziehen Beschäftigte aus einem großen Umland an.
Allerdings sind Süd-Länder derzeit auch anfälliger für die Industrieschwäche. Ein Teil des Anstiegs der vergangenen Jahre geht auf Beschäftigungsabbau in der Metall-, Elektro- und Autoindustrie zurück. Im Juni 2026 lag die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Verarbeitenden Gewerbe bundesweit um 171.000 unter dem Vorjahr.
Warum die Stadtstaaten hinten liegen
Bremen, Berlin und Hamburg belegen die Plätze 14 bis 16. Das hat weniger mit wirtschaftlicher Schwäche zu tun als mit der Art, wie gezählt wird:
- Großstadteffekt: Arbeitslosigkeit ist in Großstädten fast überall höher als im Umland. Das gilt auch in Flächenländern – München, Stuttgart und Frankfurt haben deutlich höhere Quoten als die umliegenden Landkreise.
- Wohnortprinzip: Die Quote wird nach Wohnort berechnet. Viele gut verdienende Beschäftigte hamburgischer oder bremischer Betriebe wohnen im niedersächsischen oder schleswig-holsteinischen Umland. Sie fehlen im Nenner der Stadtstaaten.
- Sozialstruktur: In Großstädten leben mehr Menschen mit geringer Qualifikation, mehr Alleinerziehende und mehr Zugewanderte, die häufiger arbeitslos sind.
- Strukturwandel: Bremen und vor allem Bremerhaven sind von den Umbrüchen in Werftindustrie und Hafenwirtschaft geprägt. Bremerhaven hatte im August 2026 mit 14,3 Prozent die zweithöchste Quote aller Kreise und kreisfreien Städte in Deutschland.
Ein Flächenland mit ähnlichen Großstadtproblemen ist Nordrhein-Westfalen: Das Land hat mit fast 809.000 Arbeitslosen mehr als ein Viertel aller Arbeitslosen in Deutschland. Die Städte des Ruhrgebiets – Gelsenkirchen, Duisburg, Herne, Dortmund, Essen – gehören seit Jahrzehnten zu den Regionen mit den höchsten Quoten. Gelsenkirchen lag im August 2026 bei 15,8 Prozent.
Versicherung oder Grundsicherung: die Rechtskreise im Ländervergleich
Aufschlussreich ist, in welchem Rechtskreis die Arbeitslosen betreut werden. Im Rechtskreis SGB III (Agentur für Arbeit) sind vor allem Menschen, die erst kürzlich ihren Job verloren haben und Arbeitslosengeld beziehen. Im Rechtskreis SGB II (Jobcenter) sind Menschen, die Grundsicherung erhalten – häufig länger arbeitslos oder ohne ausreichende Versicherungszeiten. Die SGB-III-Quote reagiert schnell auf die Konjunktur, die SGB-II-Quote zeigt eher verfestigte Arbeitslosigkeit.
| Bundesland | Quote SGB III | Quote SGB II | Quote gesamt |
|---|---|---|---|
| Bayern | 2,4 % | 1,9 % | 4,3 % |
| Baden-Württemberg | 2,4 % | 2,4 % | 4,8 % |
| Sachsen | 2,8 % | 4,5 % | 7,3 % |
| Nordrhein-Westfalen | 2,7 % | 5,3 % | 8,0 % |
| Berlin | 3,7 % | 6,9 % | 10,6 % |
| Bremen | 3,1 % | 8,4 % | 11,5 % |
| Deutschland | 2,6 % | 3,9 % | 6,5 % |
Quelle: Statistik der BA, August 2026. Die Tabelle zeigt: Bei der konjunkturnahen SGB-III-Quote liegen die Länder mit Werten zwischen gut 2 und knapp 4 Prozent relativ nah beieinander. Die großen Unterschiede entstehen in der Grundsicherung. In Bayern entfällt sogar weniger als die Hälfte der Arbeitslosen auf das SGB II, in Bremen fast drei Viertel. Bundesweit betreuten die Jobcenter im August 2026 60 Prozent aller Arbeitslosen, die Agenturen für Arbeit 40 Prozent – mit steigender Tendenz beim SGB III, weil die aktuelle Konjunkturschwäche vor allem Menschen trifft, die gerade erst ihre Stelle verloren haben.
Das Ost-West-Gefälle ist kleiner geworden
Die BA weist Westdeutschland (alte Länder ohne Berlin) und Ostdeutschland (neue Länder mit Berlin) getrennt aus. Die Entwicklung ist bemerkenswert:
| Jeweils August | Westdeutschland | Ostdeutschland (mit Berlin) | Abstand |
|---|---|---|---|
| 2005 | 9,8 % | 18,1 % | 8,3 Punkte |
| 2015 | 5,8 % | 9,0 % | 3,2 Punkte |
| 2019 | 4,8 % | 6,4 % | 1,6 Punkte |
| 2025 | 6,1 % | 7,9 % | 1,8 Punkte |
| 2026 | 6,1 % | 8,1 % | 2,0 Punkte |
Quelle: Statistik der BA, Arbeitslosigkeit im Zeitverlauf; Abstand eigene Berechnung.
Im Jahr 2005 war die Quote im Osten fast doppelt so hoch wie im Westen. Seitdem ist der Abstand stark geschrumpft. Mehrere Faktoren spielen zusammen: die wirtschaftliche Erholung nach dem Transformationsschock der 1990er-Jahre, die Abwanderung vieler junger Menschen in den Westen und vor allem der demografische Wandel. In Ostdeutschland gehen seit Jahren mehr Menschen in Rente, als junge Menschen nachrücken – das Arbeitskräfteangebot schrumpft. Brandenburg und Thüringen liegen inzwischen nahe am Bundesdurchschnitt und vor dem Saarland und Nordrhein-Westfalen.
Zuletzt hat sich der Abstand wieder etwas vergrößert. Die Beschäftigung ist in den ostdeutschen Flächenländern laut BA schon länger rückläufig; im Juni 2026 lag sie in Sachsen und Thüringen jeweils um 1,1 Prozent unter dem Vorjahr. Den größten Rückgang gab es allerdings im Saarland mit −1,6 Prozent.
Große Unterschiede auch innerhalb der Länder
Die Landesquote ist ein Durchschnitt. Innerhalb eines Landes gehen die Werte oft weit auseinander – ein Überblick über die Spannweite im August 2026 (niedrigster und höchster Kreis):
| Bundesland | Niedrigste Kreisquote | Höchste Kreisquote |
|---|---|---|
| Bayern | Roth 2,5 % | Hof (Stadt) 8,1 % |
| Baden-Württemberg | Biberach 3,1 % | Mannheim 8,4 % |
| Nordrhein-Westfalen | Coesfeld 4,1 % | Gelsenkirchen 15,8 % |
| Niedersachsen | Emsland 3,5 % | Wilhelmshaven 11,2 % |
| Rheinland-Pfalz | Cochem-Zell 3,3 % | Pirmasens 12,2 % |
| Brandenburg | Dahme-Spreewald 4,4 % | Uckermark 11,4 % |
| Sachsen | Sächsische Schweiz-Osterzgebirge 5,6 % | Chemnitz 10,4 % |
Quelle: Statistik der BA, Eckwerte nach Kreisen, eigene Auswertung. Das vollständige Ranking aller Kreise und kreisfreien Städte stellen wir in einem eigenen Beitrag vor.
Was die Quote über Jobchancen aussagt – und was nicht
Eine niedrige Quote bedeutet nicht automatisch, dass es für jeden leicht ist, eine Stelle zu finden. Entscheidend ist, ob Qualifikation, Beruf und Wohnort zur Nachfrage passen. Die BA weist darauf hin, dass die Profile der Arbeitslosen in berufsfachlicher, qualifikatorischer und regionaler Hinsicht oft nicht zu den offenen Stellen passen. Umgekehrt gibt es auch in Ländern mit hoher Quote Branchen mit Fachkräfteengpässen, etwa in der Pflege, in medizinischen Berufen und im Handwerk.
Zudem misst die Arbeitslosenquote nur die registrierte Arbeitslosigkeit. Wer an einer Weiterbildung teilnimmt oder kurzfristig erkrankt ist, fehlt in der Statistik. Wie sich registrierte Arbeitslosigkeit und die Erwerbslosigkeit nach internationalem Standard unterscheiden, erklärt der Ratgeber Arbeitslosigkeit und Erwerbslosigkeit. Wie die Quote genau berechnet wird, lesen Sie in Arbeitslosenquote berechnen: Formel und Beispiel.
Fazit
Das Länder-Ranking der Arbeitslosenquote ist erstaunlich stabil: Bayern und Baden-Württemberg vorn, die Stadtstaaten und Nordrhein-Westfalen hinten. Die Gründe liegen in der Wirtschaftsstruktur, im Großstadteffekt und in der Zählweise nach Wohnort. Das früher dominierende Ost-West-Gefälle hat sich dagegen stark verringert – von über acht Prozentpunkten im Jahr 2005 auf rund zwei Punkte im August 2026. Aktuell steigt die Arbeitslosigkeit ausgerechnet im industriestarken Süden überdurchschnittlich. Ob sich daraus eine Trendwende im Ranking ergibt, zeigen erst die kommenden Monate.
Ihr Bundesland im Detail
Arbeitslose, Quote, Rechtskreise und Entwicklung – für jedes Land und jeden Kreis, monatlich aktualisiert.
Häufige Fragen (FAQ)
Welches Bundesland hat die niedrigste Arbeitslosenquote?
Bayern, mit 4,3 Prozent im August 2026. Auf Platz zwei folgt Baden-Württemberg mit 4,8 Prozent. Beide Länder liegen seit vielen Jahren an der Spitze.
Welches Bundesland hat die höchste Arbeitslosenquote?
Bremen, mit 11,5 Prozent im August 2026, gefolgt von Berlin mit 10,6 Prozent. Unter den Flächenländern hat Sachsen-Anhalt mit 8,2 Prozent die höchste Quote, knapp vor Nordrhein-Westfalen mit 8,0 Prozent.
Ist die Arbeitslosigkeit im Osten noch höher als im Westen?
Ja, aber der Abstand ist viel kleiner als früher. Im August 2026 lag die Quote in Westdeutschland bei 6,1 Prozent, in Ostdeutschland einschließlich Berlin bei 8,1 Prozent. Im August 2005 waren es 9,8 und 18,1 Prozent.
Warum haben Stadtstaaten so hohe Quoten?
Arbeitslosigkeit ist in Großstädten generell höher als im ländlichen Raum. Hinzu kommt, dass die Quote nach Wohnort berechnet wird: Viele Beschäftigte der Stadtstaaten wohnen im Umland und zählen dort. Flächenländer gleichen hohe Großstadtquoten mit niedrigen Werten auf dem Land aus.
Wann gibt es neue Zahlen für die Bundesländer?
Die BA veröffentlicht die Monatszahlen für Deutschland, die Länder und Kreise gleichzeitig, in der Regel zum Monatsende um 10 Uhr. Wir aktualisieren unsere Länderseiten nach jeder Veröffentlichung.
Quellen
- Statistik der Bundesagentur für Arbeit: Eckwerte Arbeitslosigkeit nach Ländern und Kreisen, Berichtsmonat August 2026: statistik.arbeitsagentur.de
- Statistik der Bundesagentur für Arbeit: Monatsbericht zum Arbeits- und Ausbildungsmarkt, August 2026 (Kapitel 1.2.2 und 1.4.2): statistik.arbeitsagentur.de
- Statistik der Bundesagentur für Arbeit: Arbeitslose und Arbeitslosenquoten nach Ländern ab 1991 (Zeitreihe): statistik.arbeitsagentur.de
- Bundesagentur für Arbeit: Arbeitsmarkt im August 2026, Presseinfo Nr. 31 vom 28.08.2026: arbeitsagentur.de
- Statistik der Bundesagentur für Arbeit: Fachkräfteengpassanalyse 2025, Mai 2026: statistik.arbeitsagentur.de