Berufsprofil Hebamme
Aktualisiert am 26.09.2026
Was macht eine Hebamme?
Hebammen betreuen Frauen und ihre Familien von der Schwangerschaft über die Geburt bis zum Ende der Stillzeit. Sie beraten zur Vorsorge, bereiten auf die Geburt vor, leiten normale Geburten eigenverantwortlich, versorgen Mutter und Neugeborenes im Wochenbett und unterstützen beim Stillen. Dabei erkennen sie Risiken frühzeitig und ziehen bei Komplikationen Ärztinnen und Ärzte hinzu.
Die Geburtshilfe ist eine vorbehaltene Tätigkeit: Nach dem Hebammengesetz (HebG) müssen Ärztinnen und Ärzte bei jeder Geburt dafür sorgen, dass eine Hebamme hinzugezogen wird. Die Berufsbezeichnung Hebamme gilt seit der Reform für alle Geschlechter; die frühere Bezeichnung Entbindungspfleger für Männer ist entfallen. Hebammen arbeiten angestellt in Kliniken oder freiberuflich, viele kombinieren beides.
Aufgaben im Arbeitsalltag
- Schwangerenvorsorge und Beratung: Untersuchungen durchführen, zu Ernährung, Beschwerden und Geburtsplanung beraten, Geburtsvorbereitungskurse geben.
- Geburtshilfe: Gebärende im Kreißsaal, im Geburtshaus oder zu Hause begleiten, Herztöne überwachen, normale Geburten leiten und das Neugeborene erstversorgen.
- Notfälle erkennen: Abweichungen vom normalen Verlauf einschätzen, ärztliche Hilfe anfordern und bei Notfällen assistieren.
- Wochenbettbetreuung: Mutter und Kind nach der Geburt zu Hause besuchen, Rückbildung und Wundheilung kontrollieren, Gewicht und Entwicklung des Babys beobachten.
- Stillberatung und Elternbegleitung: beim Stillen und in der ersten Zeit mit dem Kind unterstützen, Rückbildungskurse anbieten.
- Dokumentation und Abrechnung: Befunde festhalten, freiberufliche Leistungen mit den Krankenkassen abrechnen.
In der Klinik arbeiten Hebammen im Schichtdienst im Kreißsaal und auf der Wochenstation, eng mit Gynäkologen, Kinderärzten und Pflegefachkräften. Freiberufliche Hebammen organisieren ihre Termine selbst, arbeiten häufig mit Rufbereitschaft und sind viel unterwegs.
Ausbildung und Voraussetzungen
Seit dem 1. Januar 2020 gilt das neue Hebammengesetz. Die frühere Fachschulausbildung wurde durch ein duales Studium ersetzt, das je nach Hochschule sechs bis acht Semester dauert und mit dem Bachelor sowie einer staatlichen Prüfung abschließt. Das Studium verbindet wissenschaftliche Lehre an der Hochschule mit einem umfangreichen berufspraktischen Teil in einem Krankenhaus und im ambulanten Bereich, etwa bei freiberuflichen Hebammen oder in Geburtshäusern. Für den praktischen Teil schließen Studierende einen Vertrag mit einer verantwortlichen Praxiseinrichtung und erhalten dafür eine Vergütung.
Zugangsvoraussetzung ist in der Regel die Hochschulzugangsberechtigung oder eine abgeschlossene Ausbildung in einem Pflegeberuf. Hinzu kommen gesundheitliche Eignung und ein Vertrag mit einer Praxiseinrichtung. Hebammen brauchen Verantwortungsbewusstsein, Ruhe in Stresssituationen, Einfühlungsvermögen, Belastbarkeit und die Bereitschaft zu Nacht- und Wochenenddiensten.
Wer noch nach altem Recht eine Hebammenausbildung begonnen hat, konnte diese nach den Übergangsregelungen abschließen. Hebammen mit ausländischem Abschluss können ihre Qualifikation anerkennen lassen.
Weiterbildung und Karriere
Fortbildung ist für Hebammen Pflicht; die Länder schreiben Fortbildungen in bestimmtem Umfang vor, insbesondere für freiberuflich tätige Hebammen. Spezialisierungen gibt es etwa zur Familienhebamme in den Frühen Hilfen, zur Still- und Laktationsberaterin, in Akupunktur, Kinesiotaping, Babymassage oder Notfallmanagement in der Geburtshilfe.
Karrierewege führen in die Leitung eines Kreißsaals, in die Praxisanleitung von Studierenden, in die Gründung eines Geburtshauses oder einer Hebammenpraxis sowie über einen Master in Hebammenwissenschaft in Lehre, Forschung und Qualitätsmanagement. Auch Hebammenkreißsäle, in denen Hebammen normale Geburten eigenverantwortlich betreuen, bieten neue Gestaltungsmöglichkeiten.
Arbeitsmarkt und Perspektiven
Hebammen werden in vielen Regionen gesucht. Werdende Eltern finden vielerorts nur schwer eine Hebamme für die Wochenbettbetreuung, und Kliniken suchen Personal für ihre Kreißsäle. Gleichzeitig ist die Zahl der Geburtskliniken in den vergangenen Jahren gesunken, was die Arbeit in den verbleibenden Häusern verdichtet. Freiberufliche Hebammen, die Geburtshilfe anbieten, müssen hohe Beiträge für die Berufshaftpflicht tragen, die teilweise über einen Sicherstellungszuschlag der Krankenkassen ausgeglichen werden. Wie sich der Arbeitsmarkt insgesamt entwickelt, zeigt die Übersicht zur Arbeitslosenquote.
Arbeitgeber sind Krankenhäuser und Universitätskliniken, Geburtshäuser, Hebammenpraxen, Gesundheitsämter und Träger der Frühen Hilfen. Angestellte Hebammen in Kliniken werden häufig nach dem TVöD oder vergleichbaren Tarifen bezahlt. Die aktuellen Gehaltsdaten aus dem Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit finden Sie oben auf dieser Seite, was davon netto bleibt, zeigt der Brutto-Netto-Rechner.
Häufige Fragen
Kann man Hebamme noch als Ausbildung lernen?
Nein. Seit dem Hebammengesetz von 2020 führt der Weg über ein duales Bachelorstudium mit hohem Praxisanteil. Neue Fachschulausbildungen konnten nur noch in einer Übergangszeit begonnen werden.
Wie lange dauert das Hebammenstudium?
Das duale Studium dauert je nach Hochschule sechs bis acht Semester und schließt mit dem Bachelor und der staatlichen Prüfung ab.
Können auch Männer Hebamme werden?
Ja. Die Berufsbezeichnung Hebamme gilt nach dem neuen Hebammengesetz für alle Geschlechter. Der Anteil der Männer im Beruf ist allerdings sehr gering.
Bekommt man im Hebammenstudium Geld?
Ja. Studierende schließen einen Vertrag mit einer verantwortlichen Praxiseinrichtung und erhalten für die gesamte Studiendauer eine Vergütung.
Wo finde ich aktuelle Stellen als Hebamme?
Auf dieser Seite sehen Sie aktuelle Stellenangebote für Hebammen aus ganz Deutschland. Über die Ortsauswahl lassen sich die Jobs nach Städten filtern.